Auch Mittwochnacht (28/29.10.2026) laufen die aufwendigen Sicherungsarbeiten an dem durch eine Explosion schwer zerstörten Mehrfamilienhaus in der Von-Reine-Straße in Regensburg auf Hochtouren. Während die Feuerwehr am frühen Morgen noch gegen die Flammen kämpfte, versuchen nun Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW), das massiv beschädigte und einsturzgefährdete Gebäude zu stabilisieren. Besonders dramatisch: Zwei Menschen werden weiterhin vermisst und im Inneren des zerstörten Wohnhauses vermutet. Rund 70 THW-Einsatzkräfte aus mehreren bayerischen Ortsverbänden arbeiten am Abend unter schwierigen Bedingungen daran, die Gebäudestruktur zu sichern. Die Arbeiten sollen möglichst über die gesamte Nacht fortgesetzt werden. Ziel ist es, das Haus so weit zu stabilisieren, dass die Polizei am Donnerstagmorgen mit weiteren Suchmaßnahmen beginnen kann.
„Wir sind aktuell noch an die 70 Einsatzkräfte hier vor Ort. Aus mehreren Ortsverbänden aus Bayern und aktuell geht es darum, das Gebäude noch fertig abzustützen und so vorzubereiten, dass die Polizei am Morgen zum Tagesanbruch quasi das Gebäude betreten kann“, erklärt Stefan Kraus, stellvertretender Ortsbeauftragter des THW-Ortsverbandes Regensburg.
Eine besondere Herausforderung stellt die massive Beschädigung der Gebäudestruktur dar. Durch die Wucht der Explosion wurden unter anderem Wände im Bereich des Treppenhauses nach außen gedrückt. Um ein weiteres Versagen der Gebäudeteile zu verhindern, kommt unter anderem das THW Freising mit einem speziellen Abstützsystem Holz (ASH) zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein modulares Abstützsystem aus massiven Holzbalken, mit dem stark beschädigte Gebäude von außen stabilisiert werden können. Die einzelnen Stützkonstruktionen werden speziell an die örtlichen Gegebenheiten angepasst, am Boden vormontiert und anschließend mithilfe eines Krans an der Gebäudefassade aufgestellt. Sie sollen verhindern, dass instabile Außenwände nach außen kollabieren.
„Es gibt ein sogenanntes Abstützsystem Holz, das hier jetzt vorbereitet wird und speziell auf das Gebäude angefertigt wird. Und wenn diese Stützen fertig sind, dann werden sie mit dem Kran aufgestellt und stützen das Gebäude quasi von außen ab, damit es nicht nach außen kollabiert“, erklärt Kraus. Parallel dazu werden weitere Gebäudebereiche im Inneren gesichert. Nach Angaben des THW-Einsatzleiters erfolgt die Abstützung vom Keller bis in die oberen Stockwerke nach einem zuvor von Baufachberatern festgelegten Raster. Die Arbeiten laufen bereits seit Mittwochmittag.
Neben den aufwendigen Abstützmaßnahmen kommt an der Einsatzstelle auch besondere Überwachungstechnik zum Einsatz. Mit einem sogenannten Einsatzstellen-Sicherungs-System (ESS) wird das schwer beschädigte Wohnhaus kontinuierlich auf kleinste Bewegungen kontrolliert.
Das System arbeitet mit einem hochpräzisen elektronischen Messgerät, einem sogenannten Tachymeter. An verschiedenen Stellen des Gebäudes wurden spezielle Messpunkte beziehungsweise Reflektoren angebracht. Diese werden regelmäßig und automatisiert vermessen. Bereits kleinste Veränderungen der Gebäudestruktur können so erkannt werden. Sollte sich das Gebäude gefährlich bewegen, kann das System Alarm auslösen. Die Einsatzkräfte müssen dann umgehend den Gefahrenbereich verlassen.
„Am Gebäude sind mehrere Spiegel und Sensoren markiert worden. Und hier gibt es einen Laser, der konstant diese Sensoren abfragt. Und in dem Fall, wenn sich irgendeine Bewegung ergibt, dann wird Alarm geschlagen und dann müssen die Helfer natürlich vom Gebäude weg und aus dem Gebäude raus“, beschreibt Kraus die Funktionsweise. Besonders bemerkenswert: Die spezielle Messtechnik gehört nicht zur Standardausstattung jedes THW-Ortsverbandes. Nach den öffentlich verfügbaren Standortübersichten verfügen in Bayern lediglich zwei reguläre THW-Trupps über ein solches Einsatzstellen-Sicherungs-System. Für den Einsatz in Regensburg wird damit auf eine vergleichsweise seltene Spezialfähigkeit des Technischen Hilfswerks zurückgegriffen. Bis zum Mittwochabend hatte das System nach Angaben des Einsatzleiters noch keinen Alarm ausgelöst. Für die Einsatzkräfte ist dies eine wichtige Voraussetzung, um die aufwendigen Sicherungsarbeiten fortsetzen zu können.
Besonders belastend bleibt die Ungewissheit über das Schicksal der beiden vermissten Menschen. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberpfalz wird weiterhin davon ausgegangen, dass sich die Personen im Inneren des zerstörten Wohnhauses befinden.
Bereits am frühen Mittwochnachmittag hatten Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei gemeinsam mit Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamtes erste Absuchmaßnahmen und Spurensicherungen durchgeführt. Eine umfassende Suche in den besonders stark beschädigten Bereichen ist aufgrund der Einsturzgefahr bislang jedoch nicht möglich. Erst wenn die umfangreichen Sicherungsmaßnahmen abgeschlossen sind und das Gebäude gefahrlos betreten werden kann, sollen die weiteren Suchmaßnahmen beginnen. Für die THW-Einsatzkräfte bedeutet dies einen Einsatz bis tief in die Nacht. Hinzu kommen schwierige Wetterbedingungen. Am Abend setzte zeitweise starker Regen ein.
„Die Leute haben natürlich den ganzen Tag schon, zum Teil waren sie in der Arbeit oder haben sie Anfahrt gehabt von den anderen Ortsverbänden. Und jetzt geht es natürlich darum, das Ganze in der Nacht so lange wie möglich herzustellen, damit wir morgen früh dann fertig sind und die Polizei dann weiterarbeiten kann“, berichtet Kraus.
Die Dimension des Einsatzes ist außergewöhnlich. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberpfalz waren bei der Feuerwehr Regensburg zeitweise bis zu 150 Einsatzkräfte gleichzeitig im Einsatz. Der Rettungsdienst unterstützte die Maßnahmen mit mehr als 70 Kräften. Das Technische Hilfswerk mobilisierte ein Großaufgebot von knapp 100 Helfern aus ganz Bayern. Seitens der Polizei sind mehr als 60 Einsatzkräfte eingebunden. „In dem Ausmaß ist das schon außergewöhnlich. Haben wir nicht alle Tage und auch nicht alle Jahre, Gott sei Dank, hier in Regensburg. Das ist schon was Besonderes“, sagt THW-Einsatzleiter Kraus.
Für die Bewohner des betroffenen Häuserkomplexes bleibt die Situation ebenfalls schwierig. Einige von ihnen durften am Mittwoch unter Polizeibegleitung kurzzeitig ihre Wohnungen betreten, um dringend benötigte persönliche Gegenstände für die Nacht zu holen. Anschließend mussten sie den Gebäudekomplex wieder verlassen. Das gesamte Areal bleibt nach Angaben der Polizei über Nacht für sämtliche Bewohner gesperrt. Die folgenschwere Explosion hatte sich am Mittwoch gegen 4 Uhr morgens ereignet. Anwohner wurden durch einen gewaltigen Knall aus dem Schlaf gerissen. Kurz darauf stand das mehrgeschossige Wohnhaus in Vollbrand. Mehrere Menschen wurden verletzt und mussten medizinisch versorgt werden.
Die Ursache der Explosion ist weiterhin ungeklärt. Die Kriminalpolizei Regensburg hat gemeinsam mit Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamtes die Ermittlungen aufgenommen. Während die Einsatzkräfte des THW in der Nacht weiter an den aufwendigen Abstützkonstruktionen arbeiten, bleibt das Schicksal der beiden vermissten Menschen ungewiss. Ob die Polizei wie erhofft am Donnerstagmorgen mit der Suche beginnen kann, hängt maßgeblich vom Fortschritt der Sicherungsarbeiten und der Stabilität des schwer beschädigten Gebäudes ab.
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