07.04.2026 - Insel Poel - News Nr.: 41483
Keine Rettung für den gestrandeten Wal vor Poel: Meeressäuger soll in der Bucht bleiben - Experten sehen Tragödie als unausweichlich
Experten äußern sich bei Pressekonferenz - „Wir haben wohl alles richtig gemacht, soweit man das in so einer Lage überhaupt machen kann.“ - „Aufgrund dieser Tatsachen würden wir auf alle Fälle davon abraten, dieses Tier irgendwie lebend bergen zu wollen.“ - „Der Wal ist ein Symbol für uns, und wir werden an diesen Themen weiter arbeiten.“

© NEWS5 / Sebastian Peters

Vor der Insel Poel in der Ostsee liegt nun seit Tagen ein Buckelwal fest. Auf einer Pressekonferenz auf der Insel Poel hat Mecklenburg‑Vorpommerns Landwirtschafts‑ und Umweltminister Till Backhaus am Dienstag (07.04.2026) eindringlich erklärt, warum die Behörden und Fachleute inzwischen keine Hoffnung mehr auf eine Rettung des Tieres sehen. „Für uns ist heute ein emotionaler Tag“, sagte Backhaus zum Auftakt und betonte zugleich: „Wir haben alles unternommen, um ihm seine Chance zu geben.“ Über die Osterfeiertage sei der Gesundheitszustand des Wals erneut mit besonderer Sorgfalt analysiert und ein aktualisiertes Gutachten eingeholt worden. Dazu gehörten auch Unterwasser‑Begutachtungen mit einem Unterwasserroboter sowie Drohnenflüge, „die sehr, sehr gute Erkenntnisse liefern“, so Backhaus.

Backhaus betonte, dass er sich während der Osterphase auch an die Internationale Walfangkommission (IWC) gewandt habe, um eine externe Expertise darüber einzuholen, „wie wir den Wal sinnvoll begleiten“ sollten. „Die kommen dann zu dem Ergebnis, dass wir wohl alles richtig gemacht haben, soweit man das in einer so außergewöhnlichen Lage überhaupt machen kann“, sagte er. Die IWC halte wie die deutschen Fachleute die Situation für „Neuland“ - ein Ereignis dieser Art sei weltweit einmalig, da ein Tier nach Netzfängen und mehrfachen Strandungen in einer solchen Bucht zum Stillstand komme.

Meeresforscher Burkhard Baschek beschrieb den Zustand des Wals in der Kirchsee deutlich: „Der Rücken ragt etwa 40 Zentimeter aus dem Wasser, das Tier liegt in einer Mulde in sehr weichem Sediment. Um sich selbst zu befreien, bräuchte es einen Wasserstand um etwa 60 Zentimeter mehr als derzeit - das sieht die Prognose für die nächsten Tage aber nicht vor.“ Die Aussichten eines Freischwimmens seien damit praktisch ausgeschlossen. Zudem sei „die Gesamtkonstitution in Kraft schlichtweg nicht da“, wie Baschek es formulierte.

Stephanie Groß, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ITAW, skizzierte den veränderten Gesundheitszustand: „Das Tier erscheint vermehrt geschwächt, reagiert kaum noch auf Annäherungen von Booten und nimmt die Situation relativ stoisch hin.“ Kritisch seien vor allem die Hautveränderungen, die sich weiter verschlimmert hätten: „Die Haut ist aufgeworfen, verdickt, reißt auf, die betroffene Fläche ist größer geworden.“ Die Expertin machte deutlich, warum jede Form von Bergung oder Aufhängen des Wals scheide: „Wir haben in Niendorf bewusst dagegen entschieden, das Tier mit Seilen oder Gurten anzuheben, weil die Haut damals schon so geschädigt war. Man muss davon ausgehen, dass man die Haut abzieht und damit das Tier zusätzlich verletzt und leiden lässt.“ Hinzu komme, dass der Wal seit fast zwei Wochen immer wieder festliege und nun „relativ hoch fest“ stehe, „mit deutlich weniger Wasser und Auftrieb als zuvor“. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit von Organschäden.

„Aufgrund dieser Tatsachen würden wir auf alle Fälle davon abraten, dieses Tier irgendwie lebend bergen zu wollen“, sagte Groß. Damit bestätigten die Fachleute im Kern die bisherige Linie: Nach umfassenden Untersuchungen und internationaler Bewertung halten sie den Wal in der Bucht der Insel Poel als praktisch nicht mehr rettbar. Backhaus zog daraus ein Fazit auch für die Zukunft: „Der Wal ist ein Symbol für uns, und wir werden an diesen Themen weiter arbeiten - Netze, Müll, Nährstoffe, Klimawandel. Nächstes Mal, ob Buckelwal oder ein anderes Tier, müssen wir besser vorbereitet sein.“

Unsere Informationsquellen:

  • Reporter vor Ort

© 2002 - 2026 by 5NETWORK / PICTURE5 / Medienhaus Nürnberg / 10nach8 / NEWS5. All rights reserved. / 2.0.0