Die hohen Kraftstoffpreise treffen nicht nur Autofahrer, sondern auch die Landwirtschaft mit voller Wucht. Gerade auf landwirtschaftlichen Betrieben, wo Traktoren, Erntemaschinen und Hoftechnik täglich im Einsatz sind, schlagen die steigenden Dieselpreise direkt auf die Produktionskosten durch. Nach aktuellen ADAC-Zahlen lag der bundesweite Durchschnittspreis für Diesel am 18. März bei 2,167 Euro pro Liter und damit deutlich höher als noch vor Beginn der jüngsten Eskalation im Nahen Osten. Auch der ADAC spricht von einem weiterhin sehr hohen Preisniveau.
Wie stark diese Entwicklung die Höfe belastet, schildert Landwirtin Christina Lippoldt aus Essing (Lkr. Kelheim) sehr konkret: „Bei uns ist eigentlich die größte Angst, dass es so bleibt“, sagt sie. Ein kurzfristiger Preisanstieg sei zwar schmerzhaft, aber noch irgendwie aufzufangen. „Aber wenn man jetzt nicht weiß, ob es wieder runter geht und ob es wieder auf das alte Niveau kommt, dann weiß man halt, dass man auch in Zukunft die hohen Preise zahlen muss.“ Für ihren Betrieb bedeute das vor allem eines: höhere Produktionskosten, die sich nicht einfach weitergeben lassen. „Im Gegensatz zu Spedition oder Handwerker können wir unsere Preise nirgendwo drauflegen. Also die Produktionskosten, die bleiben bei uns.“
Besonders problematisch ist das, weil Diesel auf einem Hof nahezu in allen Arbeitsbereichen gebraucht wird. Lippoldt nennt neben dem laufenden Stallbetrieb mit „füttern, einstreuen, ausmisten“ vor allem die anstehende Saison auf dem Feld: „Saatbettbereitung, Bodenbearbeitung, natürlich Ernten, Mähen, Schwaden, Getreideernte, Maisernte – für die Ernte wird natürlich mit am meisten verbraucht, weil es einfach sehr energieaufwändig ist, das Futter zu ernten.“ Sparmöglichkeiten gebe es kaum. „Mal kurz wieder auf Handarbeit umsteigen geht ja momentan überhaupt nicht. Dafür sind die Dimensionen zu groß geworden.“ Wie spürbar die Preissteigerung inzwischen ist, zeigt sich auch an einer einfachen Dieselbestellung. „Wir haben tatsächlich ziemlich zu Beginn nochmal Diesel bestellt“, berichtet Lippoldt. „Wir haben immer ungefähr 1000 Liter ein und diesmal waren es eben Mehrkosten von 500 Euro.“ Besonders bitter: Der Betrieb sei gerade leer gewesen, als der Krieg ausbrach. Im normalen Betriebsablauf reiche eine Tankfüllung ungefähr vier Wochen. Sobald aber die Außenwirtschaft anlaufe, sei der Verbrauch massiv höher.
Hinzu kommt, dass viele Betriebe ohnehin schon unter Druck stehen. Lippoldt verweist auf sinkende Erlöse und hohe Investitionen: „Der Milchpreis ist ein Stück gefallen.“ Gleichzeitig befinde sich ihr Betrieb in einer Bauphase, in der zusätzliche Kosten anfallen. „Und wenn dann noch dauerhaft die Dieselpreise oben bleiben, ist das natürlich schon noch mal eine extreme Belastung.“
Auch der Bayerische Bauernverband drängt seit längerem auf verlässliche Entlastungen. Der Verband weist darauf hin, dass Landwirte ab dem Verbrauchsjahr 2026 wieder die volle Agrardiesel-Rückvergütung von 21,48 Cent pro Liter erhalten sollen. Allein für die bayerische Landwirtschaft bedeute das eine jährliche Entlastung von rund 80 bis 90 Millionen Euro. BBV-Präsident Günther Felßner spricht von einem wichtigen Beitrag, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu stärken.
Trotzdem bleibt auf vielen Höfen die Sorge groß, dass die Belastung durch hohe Energiepreise dauerhaft bleibt. Lippoldt glaubt zwar, dass viele Menschen das Problem grundsätzlich nachvollziehen können: „Ich meine, momentan merkt es ja im Grunde jeder, der ein Auto hat, dass es wehtut, wenn man tanken muss.“ Doch das ganze Ausmaß werde oft unterschätzt. „Um welche Dimensionen es wirklich geht, ich glaube, das haben viele wahrscheinlich gar nicht so auf dem Blick, was da eigentlich in der Landwirtschaft verbraucht wird.“
Auch politische Debatten über eine Begrenzung von Preissprüngen an Tankstellen sieht sie eher skeptisch. Der ADAC hatte zuletzt ebenfalls darauf hingewiesen, dass eine Beschränkung auf nur eine tägliche Preiserhöhung nicht automatisch zu günstigeren Preisen führen müsse. Christina Lippoldt formuliert es ähnlich: „Es ist vielleicht ein erster Schritt, wenn die Tankstellen nur noch einmal am Tag ihre Preise erhöhen dürfen oder reduzieren dürfen. Aber letztendlich bringt es relativ wenig, weil dann setzen die halt von Haus aus schon einen höheren Preis an.“
Für viele landwirtschaftliche Betriebe ist die Entwicklung deshalb weit mehr als nur ein Ärgernis an der Zapfsäule. Hohe Kraftstoffpreise treffen einen Bereich, der auf Maschinen und Mobilität angewiesen ist wie kaum ein anderer – und sie verschärfen den wirtschaftlichen Druck auf Höfe, die ohnehin schon mit schwankenden Erzeugerpreisen, hohen Investitionen und steigenden Betriebskosten kämpfen.
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