Ein Brief mit weißem Pulver und einem Drohschreiben hat am Mittwochvormittag (18.02.2026) einen größeren ABC-Einsatz im DGB-Haus am Kornmarkt in Nürnberg ausgelöst. Gegen 10.30 Uhr wurde der Umschlag in der fünften Etage geöffnet. Auf dem Stockwerk hielten sich zu diesem Zeitpunkt elf Personen auf.
Laut Stadt Nürnberg wurden zwei Schnelltests durchgeführt. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bewertete die Substanz demnach als nicht gefährlich; eine Untersuchung der Analytischen Task Force der Berufsfeuerwehr München kam zum gleichen Ergebnis. Ein ausführlicher Test läuft noch beim LGL in Oberschleißheim.
Nach Angaben der Stadt mussten die elf Personen nach der Entwarnung eine Dekontaminationsstraße durchlaufen und unter anderem ihre Kleidung abgeben. Die Person, die den Brief geöffnet hatte, wurde sicherheitshalber von einem Spezialteam der Berufsfeuerwehr Nürnberg komplett nass dekontaminiert. Rund 60 Menschen auf weiteren Etagen konnten das Gebäude nach und nach über einen Aufzug verlassen. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe zu keinem Zeitpunkt bestanden; die Sperrung des Bereichs vor dem Gewerkschaftshaus soll am Abend aufgehoben werden.
ver.di Bayern teilte mit, in dem Schreiben sei explizit geäußert worden, Beschäftigte von ver.di sollten „an Milzbrand sterben“. Als Begründung seien Streiks genannt worden. Gegen 17.00 Uhr sei von offizieller Seite Entwarnung gegeben worden.
“Wir verurteilen die Drohung auf das Schärfste. Ganz offensichtlich wollen die Täter Angst und Verunsicherung verbreiten. Wir verzeichnen in den letzten Monaten eine Zunahme von Drohungen, die sich im Kern dagegen richten, dass die Menschen ihr demokratisches Grundrecht auf Streik wahrnehmen. Diese Entwicklung ist besorgniserregend. Alle Demokratinnen und Demokraten sind aufgerufen, sich diesen Tendenzen entschieden entgegenzustellen.“ Betont Luise Klemens, Landesbezirksleiterin von ver.di Bayern.
„Es ist empörend und absolut inakzeptabel, dass Menschen und ihre Gewerkschaft mit dem Tod bedroht werden. Wer versucht, mit solchen Mitteln Druck auszuüben, greift nicht nur einzelne Beschäftigte an, sondern unsere demokratischen Grundrechte. Das Streikrecht ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen. Natürlich wissen wir, dass Arbeitskämpfe Auswirkungen auf viele Menschen haben. Aber nichts – wirklich nichts – rechtfertigt eine solche Eskalation. Wir lassen uns nicht einschüchtern und stehen fest hinter unseren Kolleginnen und Kollegen.“ , so Frank Werneke, ver.di Bundesvorsitzender.
Zum genauen Inhalt des Drohbriefs macht die Stadt Nürnberg keine Angaben. Das Polizeipräsidium Mittelfranken hat die Ermittlungen aufgenommen.
Unsere Informationsquellen: