09.01.2019 - Tweng - News Nr.: 14690
"Wir leben von der weißen Pracht und die weiße Pracht ist nicht planbar!"
Flexibilität und Durchhaltevermögen sind in der alpinen Hotelbranche gerade gefordert - Hotelwirtin Helga Klary aus Tweng agiert in diesen Tagen als Krisenmanagerin - Ort war tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, aber jetzt eigentlich wieder erreichbar - Urlauber sind jedoch äußerst verunsichert und sagen Reise lieber ab - Klary: "Da reicht wirklich der schnelle Anruf, ansonsten Mail, man kann das absprechen, kann Termine neu vereinbaren, da ist überhaupt kein Problem! Wir buchen viele jetzt auf Februar um." - Hotelbetrieb und Gastwirtschaft aufgrund von Besuchermangel nahezu eingestellt

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Das kleine Urlaubsörtchen Tweng im Salzburger Land liegt auf 1.233 Metern. Normalerweise herrscht hier emsiges Treiben und Autos mit Kennzeichen aus ganz Deutschland parken vor den Hotels im Dorf. Doch an diesem Mittwoch (09.01.2019) ist es anders. Bis auf einige wenige wirkt der Ort wie ausgestorben. Auf den Parkplätzen liegt der Schnee über einen halben Meter hoch.

Helga Klary sitzt in ihrem Hotel Postgut. Eigentlich wäre sie aktuell ausgebucht gewesen, doch wenn derzeit das Telefon klingelt, fragt niemand, ob nicht vielleicht doch noch ein Zimmer frei wäre. "Zur Zeit hätten wir um die 50 Gäste im Haus gehabt", erzählt sie mit Blick auf den Computer. Doch stattdessen ist ihr Familienbetrieb leer. "Unsere Gäste sind jetzt am Montag bei der letzten Möglichkeit auszureisen wieder nach Hause gefahren. Wir haben jetzt eigentlich normalen Betrieb, aber haben es unseren Gästen freigestellt, ob sie kommen möchten." Viele haben sich entschieden nicht zu kommen und anstelle dessen im Februar anzureisen. "Da reicht wirklich der schnelle Anruf, ansonsten Mail, man kann das absprechen, kann Termine neu vereinbaren, da ist überhaupt kein Problem", zeigt sich Klary diplomatisch.

"Wir leben von der weißen Pracht und die weiße Pracht ist nicht planbar", bringt sie es auf den Punkt. Da sich die Situation jeden Tag ändere, habe sie am Montag potentiell Anreisenden nicht sagen können, ob sie zum Skifahren anreisen können. Und da das der Hauptreisegrund sei, kann sie gut nachvollziehen, dass sich die Mehrheit gegen einen Ausflug ins Salzburger Land entscheidet. Auch von Tageswanderer, die ansonsten insbesondere das Mittagsgeschäft ankurbeln, fehlt jede Spur.

Klary hofft genauso wie viele ihrer Kollegen, dass sich die Lage bald normalisiert. Man sei es gewöhnt, viel Schnee zu haben. Allerdings über mehrere Monate und nicht binnen einer Woche. "Wir leben alle vom Wintergeschäft. Wir haben zwar auch im Sommer geöffnet, aber diese Woche kann man theoretisch nicht mehr einholen", fasst es Klary zusammen und schüttelt nach und nach die Kissen in den Zimmern auf. Auch in der Hoffnung, dass sich doch noch der ein oder andere Urlauber aus Deutschland in das eigentlich so beschauliche Salzburger Land verirrt.

Update 09.01.2019 14:50 Uhr: Tauernstraße in Richtung Obertauern aufgrund von Baum auf Stromleitung gesperrt. Untertauern war teilweise ohne Strom. Autofahrer könnten ohne die Straßensperren aufgrund von Lawinengefahr über die Tauernstraße nach Obertauern und von dort aus nach Tweng gelangen.


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