21.05.2019 - Nürnberg - News Nr.: 15551
Verständnis aufgebraucht: Polizei platzt der Kragen
Lkw-Fahrer stirbt bei schwerem Auffahrunfall auf der A6 - Schaulustige sorgen für Verkehrschaos - Schocktherapie: Leiter der Verkehrspolizei schreit filmenden Brummipiloten an, führt Gaffer zum Unfallwrack und bietet ihnen an, die Leiche direkt zu zeigen (mehrfach on tape!) - Viel zu wenig Beamte für viel zu viele Gaffer: "Es ist frustrierend, das immer immer wieder zu erleben!"

© NEWS5 / Grundmann

Bei einem schweren Unfall auf der A6 ließ am Dienstagmittag (21.05.2019) ein Lkw-Fahrer sein Leben. Und wäre dies nicht schon schlimm genug, sorgten Gaffer erneut für chaotische Verhältnisse.

Zwischen der Anschlussstelle Roth und dem Kreuz Nürnberg-Süd hatte sich der Verkehr in Richtung Nürnberg aufgestaut. Ein 47-Jähriger übersah den stehenden Verkehr jedoch und prallte mit großer Wucht auf seinen Vordermann. Dabei riss die Fahrerkabine des Unfallverursachers ab und der Mann wurde in den Trümmern eingeklemmt. Ein Rettungshubschrauber landete auf der gesperrten Autobahn und obwohl die Helfer alles taten, um das Leben des Mannes zu retten, waren sie am Ende machtlos. Der 47-Jährige erlag noch am Unfallort seinen Verletzungen.

Für die Helfer wurde das tragische Ereignis dann jedoch noch schlimmer. Denn unzählige Gaffer bremsten in der Gegenrichtung ab, um mit ihren Handys oder teilweise sogar Tablets Bilder von der Szenerie zu machen. Die Folge war ein Stau, der schnell auf über acht Kilometer anwuchs - und das ohne Grund. Zuviel für den Leiter der Verkehrspolizei Stefan Pfeiffer. Ihm platzte angesichts dieser Ignoranz der Kragen. Lauthals brüllte er einen gaffenden Lkw-Fahrer an, andere fotografierte er bei ihren schändlichen Taten zurück, um im Nachgang ein Ermittlungsverfahren einleiten zu können. 

Eine Kontrolle der Schaulustigen auf der Gegenfahrbahn hätte ein zu großes Risiko für die Einsatzkräfte bedeutet sowie den Verkehr noch mehr zum Erliegen gebracht, weshalb Pfeiffer selbst zur Kamera griff und vom Mittelstreifen aus filmte. Aber selbst wenn: der Kampf gegen das knipsende Handyvolk scheint zumindest auf der A6 heute aussichtslos.

Update 14:30 Uhr:

Nachdem die linke Spur der Unfallfahrbahn wieder freigegeben war, wiederholte sich auch dort das gleiche Bild. Zuviel für Stefan Peiffer, der nun hart durchgriff. Mit Kollegen zog er zehn Schaulustige aus dem Verkehr und kassierte ab. Darüberhinaus bat er einige direkt zur Unfallstelle und konfrontierte sie mit der abgedeckten Leiche. Erst hier wurde einigen bewusst, was sie da eigentlich taten.


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