04.02.2019 - Thurmansbang - News Nr.: 14880
Elefantentreffen: Motorräder, Männerwellness und menschliche Kuriositäten
„Entweder man liebt es oder man hasst es“ – Urgesteine kommen immer wieder und sind überall bekannt – Einfach bis luxuriös, die Behausungen sind verschiedenst – Standesunterschiede nicht zu spüren – Zusammenhalt ist alles, was unter den Bikern zählt – Für viele ist es ein „Entkommen“ aus dem Alltagstrott und ein „Abschalten“ in der hektischen Zeit – „Da trifft man einmal im Jahr normale, gescheite Leute“

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Bereits zum 63. Mal fand am vergangenen Wochenende (01. bis 03.02.2019) das Elefantentreffen in Thurmansbang-Solla/Loh (Lkr. Freyung-Grafenau) im Bayerischen Wald statt. Seit 1989 treffen sich hier jedes Jahr aufs Neue rund 3.000 Motorradfahrer, um das einmalige Winterwochenende im Loher Hexenkessel zu feiern. Ein einmaliges Erlebnis, das sich nicht so einfach in Worte fassen lässt. „Entweder man liebt es oder man hasst es“, sagt Michael Wilczynski vom Bundesverband der Motorradfahrer e.V. enthusiastisch.

Klar ist eines, auf dem jährlich stattfinden Wintertreffen, sind nur wirklich harte Burschen und Mädels zu finden, die dem Wetter in ihren provisorischen Behausungen trotzen. Während sich die einen ihr Zelt mit Stroh auslegen und zusätzlich mit Winterschlafsäcken gegen die Kälte wappnen, finden sich in anderen Zelten ganze Heizöfen. Ein Bild, wie es sich selten findet und für einige das einzig wahre Erlebnis im Jahr ist. „Man hat das ganze Jahr im obligatorischen Sinne mit Deppen zu tun und beim Elefantentreffen, da trifft man einmal im Jahr normale, gescheite Leute. Da taugt es einem einfach, da fühlt man sich wohl“, so Mario, ein Biker aus Passau.

Urgesteine, wie beispielsweise Loretta, die schon seit 30 Jahren anreist, sind dort ebenso zu finden wie Neueinsteiger. „Ich bin die Motorsägen Frau, ich schneid des Brennholz fürs Lagerfeuer zam. Jeder kennt mich, jeder weiß, das ist die Loretta“, berichtet die quirlige Bikerin. Ebenso geht es Jörg aus Wiesbaden, wenn er über den Platz läuft. Die Leute fragen ihn dann: „Du bist doch der mit dem Kilt“, wenn er ihn gerade einmal nicht trägt. Aber meist trotz der aufgeweckte Biker der Kälte und zieht seinen Rock an. Schinant ist er dabei allerdings nicht, obwohl er scheinbar der Tradition der Schotten frönt und nichts unter seinem Kilt trägt. „Aber das willst du jetzt nicht noch filmen?“, fragt er frech.

Ein Urlaub der etwas anderen Art ist es auch für Herrmann, der jedes Jahr mit seinen Kumpeln und dem Motorrad aus der Nähe von Straubing anreist: „Einmal so richtige Männerwellness“. Über den Begriff „Wellness“ lässt sich vielleicht streiten, denn es ist einfach Ansichtssache, aber jedoch definitiv nicht über das Fünf-Sterne-Superior-Zelt der Biker. Frieren müssen die Jungs nämlich nicht, genauso wenig wie auf gute Küche verzichten. Dafür steht nämlich ein Holzofen im Zelt, den Bernd bedient. „Heute auf die Nacht gibt es zum Beispiel Tagliatelle mit Garnelen in Weißweinsoße“, erklärt der Hobbykoch aus Ostbayern. Eine Spezialität, die nicht viele auf dem Festgelände genießen können.

Die Stimmung aber ist trotzdem friedlich ausgelassen und ohne Stress. Kleine Rangeleien und Sticheleien schlichten die Biker schnell unter sich selbst. „Schau dich um, ganz normale Leute, sind einfach total lässig drauf. Scheißt sich keiner was und nicht so spießig“, befindet Onke, ehemals Erich, und trifft damit wohl den Gedanken der Veranstaltung ganz gut.


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