Nach dem großen Rohrbruch in der Amsinckstraße müssen sich Autofahrer in Hamburg auf längere Einschränkungen einstellen. Geborsten ist eine Graugussleitung aus dem Jahr 1961 mit einem Durchmesser von 600 Millimetern. „Grauguss ist sehr spröde“, sagte Martin Gerhardt, technischer Geschäftsführer von Hamburg Wasser, am Donnerstag (1.10.2026) an der Einsatzstelle. Erschütterungen oder Bewegungen im Erdreich könnten bei so alten Leitungen zu Brüchen führen.
Vor dem Ibis Hotel ist ein Loch von rund 20 mal 20 Metern und etwa fünf Metern Tiefe entstanden. Die Straße ist gesperrt, im Osten der Stadt kam es zu Verkehrschaos. Laut Gerhardt sind in kurzer Zeit 8000 bis 10.000 Kubikmeter Wasser ausgetreten. 14 Minuten nach Entdeckung des Bruchs begannen die Arbeiten, die Leitung abzusichern. Um das Rohrstück zu isolieren, wird es von beiden Seiten abgeschiebert. „Da hier so ein Druck ist, muss man das sehr langsam machen“, erklärte Gerhardt. Sonst drohe ein Rückstoß ins System, der an anderen Stellen weitere Rohrbrüche auslösen könne. In Teilen von Mitte fiel zwischenzeitlich der Wasserdruck, vor allem in hohen Stockwerken. Nach 81 Minuten waren Trinkwasserversorgung und Druck wiederhergestellt.
Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks (Grüne) sprach von einem großen Rohrbruch „an einer sehr gravierenden Stelle“. Die Amsinckstraße sei eine der Haupteinfallsstraßen der Stadt. Er bedankte sich bei allen, die am Donnerstag auf das Auto verzichtet hätten, im Homeoffice geblieben oder mit der S-Bahn gefahren seien. „Ich möchte Sie bitten, das auch bis einschließlich Sonntag zu tun.“ Wer die Stelle passieren müsse, solle sie weiträumig umfahren oder auf den Nahverkehr umsteigen.
Wie lange die Sanierung dauert, ist noch offen. Zunächst muss der Asphalt geöffnet und das Schadensbild aufgenommen werden. Zwei Firmen arbeiten deshalb auch am Wochenende. Am Montag sollen weitere Informationen folgen: wie saniert wird, wie die Versorgung dauerhaft gesichert wird und welche anderen Baustellen in der Stadt verschoben werden. Gerhardt rechnet mit mehreren Wochen. Genau sagen könne er das aber erst, wenn der Plan stehe.
An derselben Stelle hatte es bereits zuvor einen Rohrbruch gegeben. Die Leitung sollte ohnehin komplett erneuert werden. „Das ist jetzt ein bisschen unglücklich, dass das hier noch mal passiert“, sagte Gerhardt. Deshalb werde nun geprüft, wie groß das Stück sein muss, das ausgetauscht wird, damit sich der Schaden nicht wiederholt.
Einen Zusammenhang mit dem Rohrbruch in Alsterdorf vom Mittwoch schließt Hamburg Wasser aus. „Das sind wirklich unterschiedliche Druckzonen“, sagte Gerhardt. Es gebe auch kein Anzeichen von Fremdeinwirkung. Tjarks sagte dazu: „Es ist kein Anschlag oder irgendwas.“
Ein Zeichen für ein marodes Netz sei der Rohrbruch nicht. Pro Jahr gibt es in Hamburg rund 400 Rohrbrüche, meist an sehr kleinen Leitungen und häufig bei Frost im Winter. Der Wasserverlust im Netz liegt bei etwa vier Prozent und damit unter dem deutschen Durchschnitt. In Paris oder London sind es laut Hamburg Wasser über 20 Prozent. Tjarks betonte trotzdem: „Wir müssen in unsere Stadt investieren, wir brauchen Baustellen, wir brauchen die Erneuerung unserer Infrastruktur. Und wenn wir es nicht tun, dann passiert das, was wir hinter mir sehen, häufiger.“
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