Der Streit um ein zehn Gramm zu leichtes halbes Brot hat für die Bäckerei Breitner in Pfaffenhofen weitreichende Folgen. Was als Beschwerde eines einzelnen Kunden begann, sorgt inzwischen im gesamten Betriebsalltag für Mehraufwand, Ärger an der Kasse und geteilte Reaktionen der Kundschaft.
Amelie Breitner, Tochter des Inhabers und in der Geschäftsführung tätig, beschreibt den Unterschied zum bisherigen Ablauf: Früher habe man an der Kasse beim Brot einfach die Taste "0,5" gedrückt, fertig. Jetzt müsse das Brot erst auf die Waage gelegt, die Waage mit der Kasse verbunden und erst danach der Artikel gebucht werden. Für einzelne Kunden sei das kein großer Aufwand, "aber man merkt es dann vor allem am Wochenende, wenn einfach viel los ist", dann koste das Wiegen jedes einzelnen Brotes spürbar Zeit.
Auch bei den Preisen hat sich einiges verändert. Früher hätten die Beträge stets auf 5 oder 10 Cent geendet. Jetzt entstehen durch das exakte Wiegen krumme Beträge. Die Folge: An manchen Tagen läuft die Kasse über vor Kleingeld, an anderen fehlt es – inzwischen würden sogar 1- und 2-Cent-Münzen benötigt, "die uns fehlen", so Amelie Breitner.
Bäckermeister Matthias Breitner selbst schildert den Ursprung der Geschichte: "Die Geschichte kam zustande, dass sich irgendein Kunde ein halbes Brot gekauft hat, das zu Hause nachgewogen hat, festgestellt hat, dass es zehn Gramm zu wenig hatte, in den Laden kam, sich sehr aufgeregt hat." Sein Personal sei damit nicht mehr klargekommen, er selbst habe die Sache dann übernommen, "ich habe ihn nicht ernst genommen. Ich habe dann ein bisschen lapidar geantwortet: Na ja, das nächste Mal werden es 20 Gramm mehr. Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man." Der Kunde habe wutentbrannt den Laden verlassen mit den Worten, das werde Konsequenzen haben. "Und die Konsequenz war, dass sie es eilig hatten, da zu stehen, und die mir untersagt haben, halbe Brote zu verkaufen. Außer ich wiege sie mit der Präzisionswaage."
Die Regelung selbst existiere zwar schon länger, so Breitner: "Ich habe es nicht verstanden, ich habe auch nicht gewusst, dass es so ein Gesetz gibt." Das Eichamt nimmt er dabei ausdrücklich in Schutz: "Das Eichamt kann nichts dafür, die mussten das umsetzen. Ich verstehe das auch, ich will auch kein Eichamt-Bashing machen. Ich wundere mich nur, dass ein Kunde sowas auslösen kann, der einfach sauer war und sein Recht haben wollte auf zehn Gramm."
Statt der früheren Beschwerdefreiheit erhält Breitner nun regelmäßig Rückmeldungen von Kunden, die sich über krumme Beträge wundern: "Ich kriege jetzt Beschwerden, dass Kunden plötzlich für das Brot statt 4 Euro 4,30 zahlen müssen. Oder 3,98 Euro. Das sind jetzt die Beschwerden, die ich bekomme."
Besonders absurd findet Breitner einen Widerspruch in der Regelung: Halbiere er die Brote bereits in der Backstube, dürfe er sie ohne Wiegen verkaufen. Werden sie hingegen vor den Augen der Kunden im Laden geteilt, muss gewogen werden. Fertig vorgeteilte Brote offen liegen zu lassen, komme für ihn aber nicht infrage, "dann haben Sie lauter halbe Brote im Laden liegen, die austrocknen."
Für die Umstellung musste Breitner neun Waagen anschaffen, eine kostet rund 1.500 Euro, macht allein für die Geräte gut 13.500 Euro. Hinzu kämen rund 1.000 Euro für die Software sowie der Arbeitsaufwand für die Anbindung an die Kassensysteme aller Filialen. "Also es war ein ziemlicher Aufwand", resümiert Breitner. Insgesamt beziffert er die Kosten auf rund 15.000 Euro.
Trotz allem will er weiterhin halbe Brote anbieten: "Alleinstehende brauchen einfach halbe Brote, können nicht ein ganzes Brot kaufen, den Rest schmeißen wir weg. Deswegen habe ich das in Kauf genommen." Der ursprüngliche Kunde sei ihm nie zuvor aufgefallen und seither auch nicht mehr im Laden gesehen worden, "kein Stammkunde, definitiv nicht."
Sein Fazit fällt mittlerweile gelassen aus: "Am Anfang habe ich mich ziemlich geärgert. Mittlerweile lache ich schon drüber, muss ich ehrlich sagen." Die Regelung selbst nennt er dennoch "Bürokratie-Wahnsinn": Bei abgepacktem Brot mit festem Gewicht sei das nachvollziehbar, "aber dass ich bei handwerklichen Bäckereien nicht von Hand oder mit der Maschine teilen darf, finde ich sehr kleinteilig."
Auch bei Passanten vor Ort stößt die Beschwerde auf wenig Verständnis. Kunde Kaufmann erklärte: "Wenn ich mir ein halbes Brot schneiden lasse und das stimmt vielleicht um zehn oder zwölf Gramm nicht, dann ist das doch in letzter Konsequenz völlig egal. Das ist ein minimaler Prozentsatz." Auch die Investitionssumme stehe für ihn in keiner Relation: "15.000 Euro Investition, ein Brot kostet fünf, sechs, sieben Euro. Keine Relation."
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