28.10.2025 - Buxtehude - News Nr.: 39173
Neustart nach Kündigung – Familie macht Doppeldecker zum neuen Zuhause
Flo und Marcel Eckhoff wollen mit ihren beiden kleinen Töchtern die Welt bereisen – Start der Abmeldung ab Juli 2027 – Erste Testreise bereits für Ende 2026 geplant – Busumbau in Eigenleistung – Homeschooling statt Klassenzimmer – „Wir brauchen ein Eigentum, das uns niemand mehr wegnehmen kann“

© NEWS5 / Sebastian Peters

Ein ausrangierter Berliner Linienbus, über 13 Meter lang und vier Meter hoch, wird für Familie Eckhoff aus Buxtehude zur Basis eines neuen Lebens. Flo (26) und Marcel (33) bauen das Fahrzeug aktuell in Eigenregie zum rollenden Zuhause für sich und ihre zwei kleinen Töchter um – mit Küche, Bad, Wohnzimmer, Schlafplätzen und allem, was eine vierköpfige Familie unterwegs braucht. Ende 2026 ist eine erste Testreise vorgesehen – die endgültige Abmeldung aus Deutschland plant die Familie für Juli 2027.

„Wir haben im Juli 2025, also diesen Jahres, eine Eigenbedarfskündigung erhalten. Und dann war für uns klar: Wir brauchen irgendein Eigentum, was uns niemand mehr wegnehmen kann“, erklärt Flo den entscheidenden Auslöser. Die Idee vom Leben im Bus sei aber viel älter: „Ich habe 2017 im Berufsschulunterricht eine Dokumentation gesehen – Expedition Happiness. In dieser Doku geht es darum, dass ein Pärchen sich einen amerikanischen Schulbus ausgebaut hat und damit auf Reisen gegangen ist. Die Idee fand ich einfach total inspirierend.“

Schon bald wollen die Eckhoffs dauerhaft in ihrem Bus leben – und die Welt bereisen. Ein Tiny House oder ein klassisches Wohnmobil kam für sie nie infrage. „Ein großer Punkt ist, dass die meisten Küchen immer sehr, sehr klein ausfallen. Und ich liebe es zu kochen. Ich liebe es zu backen. (…) Wir brauchen auf jeden Fall etwas mehr Platz (…) Und ich mag es, wenn es individuell auf uns als Familie abgestimmt ist.“

Derzeit steckt das Paar mitten im Rückbau. Besonders die Innenverkleidung sorgt für Probleme. „Das Zeug ist so verklebt, dass es eigentlich nicht dafür gedacht ist, das abzureißen“, sagt Marcel. „Ich bin auch schon ein paar Wochen dabei. Ich glaube nicht, dass noch irgendwas Schlimmeres kommen kann als das hier.“

Das Projekt ist klar aufgeteilt: „Ich plane, ich organisiere, ich beschaffe die Materialien. Ich tätige Anrufe, ich schreibe E-Mails. Ich mache alles drumherum und beteilige mich auch am Ausbau. Aber den Hauptteil übernimmt Marcel“, sagt Flo.

Was sie sich vom Leben im Bus versprechen? „Freiheit, Unabhängigkeit – und wirklich zu jeder Zeit dort zu sein, wo wir wollen. Wenn wir davon träumen, am nächsten Morgen woanders aufzuwachen, dann schalten wir den Motor an, setzen uns ans Lenkrad, fahren los und wachen am nächsten Tag woanders auf.“

Die beiden Töchter sollen künftig keine reguläre Schule besuchen. Flo: „Unsere Kinder wachsen ja momentan kitafrei auf. (…) Ich werde sie zu Hause auf Reisen unterrichten und lehren. (…) Ich betitel gerne die Welt als Klassenzimmer – und nicht ein Klassenzimmer als Klassenzimmer.“

Fast den gesamten Hausstand will die Familie hinter sich lassen. Stattdessen wird auf das Wesentliche reduziert. Finanziert wird der Umbau teilweise mit Hilfe von Freunden. „Wir fragen Freunde, ob sie gewisse Gerätschaften haben, die wir uns ausleihen dürfen. (…) Und ansonsten setzen wir sehr viel auf Sponsorensuche“, erklärt Flo. Unternehmen sollen dafür unter anderem Werbeflächen auf dem Bus erhalten.

Beruflich will Flo als Birthkeeperin und Stillberaterin weiterarbeiten – online wie offline. „Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, mit dem Bus zu den Frauen nach Hause zu reisen und sie dort so zu betreuen, wie sie es brauchen.“

Trotz der positiven Visionen schlägt dem Paar auch Kritik entgegen. Flo nimmt es gelassen: „Ich bekomme jeden Tag Anrufe, Nachrichten – sowohl positiv als auch negativ. (…) Ich fokussiere mich lieber auf die Menschen, die einen bestärken und unterstützen.“

Einen Plan B? Gibt es nicht. „Brauche ich auch nicht.“

Und was antwortet sie ihren Kindern später einmal, wenn sie fragen, warum sie sich für dieses Leben entschieden haben? „Ich möchte meinen Kindern mitgeben, dass sie ausnahmslos alles in ihrem Leben erschaffen und erreichen können – egal wie viele Menschen es für verrückt betiteln.“

Bis es so weit ist, laufen die Arbeiten am Bus auf Hochtouren. Marcel macht derzeit den Führerschein Klasse C, Flo will im Januar nachziehen. „Dementsprechend ist es immer schlau, dass wir beide das Fahrzeug bewegen können“, sagt sie – für alle Fälle.


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