Am Dienstag (29.07.2025) hat der Nürnberger Tiergarten zwölf Guinea-Paviane aus Platzmangel getötet. Die Gruppe war mit über 40 Tieren deutlich zu groß für das Gehege, das nur für maximal 25 erwachsene Paviane plus Jungtiere ausgelegt ist. Nachdem Versuche, die Paviane in andere Zoos abzugeben oder durch Verhütungsmaßnahmen die Population zu begrenzen, gescheitert waren, sah der Zoo keine andere Möglichkeit mehr und entschied sich zur Tötung der überzähligen Tiere. Die Paviane wurden einzeln in Transportkisten mit einem Kugelschuss getötet. Zuvor wurden die Weibchen narkotisiert, um zu prüfen, ob sie trächtig sind – zwei von ihnen verstarben bei dieser Untersuchung, was nun noch untersucht wird. Nach der Tötung entnahm der Tiergarten wissenschaftliche Proben für Forschungszwecke. Die Kadaver sollen anschließend an die Raubtiere im Zoo verfüttert werden.
Der Zoologische Leiter Jörg Beckmann erklärte dazu: „Grundsätzlich versuchen wir, wenn wir Tiere töten, gesunde Tiere töten, der möglichst sinnvollen Verwendung zuzuführen. Gestern haben wir schon sehr, sehr viele Proben für die Wissenschaft nehmen können. Die sind extrem wertvoll und die Tierkörper werden später an unsere Raubtiere verfüttert, um ihnen auch einen vernünftigen Zweck zuzuführen." Er betonte, dass die Methode der Erschießung per Kugelschuss bewusst gewählt wurde, weil sie „extrem schnell geht und für das Tier sehr schonend ist.“ Zudem sei so eine sinnvolle Verwertung gewährleistet, da beim Einschläfern die Tierkörper verworfen werden müssten, was Beckmann als respektlos gegenüber den Tieren empfindet. Er betonte außerdem, dass der Tiergarten weiterhin versuchen werde, überzählige Tiere abzugeben, doch falls das nicht gelinge, könnten auch in Zukunft Tötungen erforderlich sein. Für die nächsten zwei Jahre sieht man jedoch erstmal ausreichend Entlastung.
Die Maßnahme stieß auf heftige Kritik und Proteste. Am Tag der Tötung versuchten Tierschutzaktivisten, den Zoo zu stürmen und sich vor dem Eingang festzukleben. Die Polizei nahm mehrere Demonstranten wegen Hausfriedensbruchs fest.
Diverse Besucher und Stimmen aus der Öffentlichkeit zeigten unterschiedliche Auffassungen: Kiras Konrad, Lehrerin, kritisierte mangelnde langfristige Planung und Populationseindämmung und meinte: „Man kann ja im Vorfeld dafür sorgen, dass sie sich nicht so unendlich vermehren.“ Steffen Held, Besucher, zeigte Verständnis, dass man bei Überfüllung des Geheges keine andere Möglichkeit habe als Tötungen, wenn eine Unterbringung anderswo nicht klappt. Eva Maria Öchsle vermisste Alternativen wie Sterilisation: „Warum eine Sterilisation nicht funktioniert, verstehe ich schon mal gar nicht.“ Christiane Krüger, Besucherin, äußerte, dass sie die Tötung zwar nicht schön findet, sie aber nach gescheiterten Umsiedlungen wahrscheinlich unvermeidbar war und die Entscheidung wohl „wohl durchdacht und abgewogen“ getroffen wurde.
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