20.02.2019 - Gotha - News Nr.: 14985
Blinde Zerstörungswut auf Kita-Gelände: „Unser schöner Kindergarten wird regelmäßig demoliert!“
Spielbereiche, Tische, Vordächer, Fallrohre und Plexiglasscheiben schon zerstört - Kinder dürfen teilweise nicht draußen spielen und zeigen sich tief enttäuscht - Kita-Leiterin Birgit Warstat entsetzt: „Dass Leute sich anmaßen, das kaputt zu machen (...) Mittlerweile häuft es sich so sehr, dass ich mich jeden Morgen frage, was wieder passiert ist“ - Polizei bestreift das Gelände in Gothaer Parkanlage regelmäßig und ermittelt seit vergangenem Jahr intensiv – Bereits mehrere Jugendgruppen im Visier, jedoch nur eine Tat bislang aufgeklärt

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Ein Ort der Harmonie und des Friedens, an dem Spaß und Freude vorherrschen - so sollte es sich eigentlich auf dem Gelände einer Kindertagesstätte für alle anfühlen. Diese Ausgeglichenheit ist allerdings im „Teeschlösschen“ in Gotha schon seit vergangenem Jahr nicht mehr zu spüren. Vandalismus versetzt nicht nur die Kita-Leitung in Angst und Schrecken, insbesondere die Kinder müssen darunter leiden. Erst vergangenes Wochenende beschädigten Unbekannte nicht nur ein Fensterbrett mit einer Bierflasche, sondern auch das Vordach. Jedoch ist diese Tat in der Gesamtsumme nur eine von vielen, die für sich zwar keinen großen Sachschaden mit sich ziehen, aber einen enormen ideellen Schaden für die Kinder, ihre Erzieher, den Hausmeister und die Eltern erzeugen.

Idyllisch fügt sich das historische Gebäude in die Parkanlage in der Gothaer Innenstadt ein. Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, dass hier nicht nur glückliche Kinder spielen, sondern auch Vandalen ihr Unwesen treiben. Doch wer genauer hinsieht, wird zahlreiche Beschädigungen am Gebäude und den Außenanlagen finden. „Hier passiert jeden Tag etwas“, erklärt Hausmeister Thomas Nitzbon. Bauchschmerzen bereitet das auch Kita-Leiterin Birgit Warstat: „Mittlerweile häuft es sich so sehr, dass ich mich jeden Morgen frage, was wieder passiert ist." Eine Situation, die auch an den Kindern nicht spurlos vorbei geht, wie Mutter Iris Klostermann bemerkt. Ihre Kinder fragen sich Morgens auf dem Weg zur Kindertagesstätte schon immer: „Na mal gucken, was die Jugendlichen jetzt wieder gemacht haben."

Eine Situation, wie sie eigentlich für keinen tragbar ist, herrscht mittlerweile im Teeschlösschen vor. Die Polizei ist eingeschaltet, dokumentiert jeden Vorfall und bestreift das Gelände regelmäßig. Wen sie antreffen, kontrollieren die Beamten, jedoch hatten sie nur einmal bislang Erfolg. „Lediglich in einem Fall ist aus der Gruppe ein 18-Jähriger aufgefallen, der die Sitzgarnitur und den Tisch zerstört hat“, berichtet Pressesprecherin Jana Krojer. Dadurch, dass das Gelände allerdings weitläufig und einsehbar ist, sind Personen im Park deutlich im Vorteil, denn Polizeistreifen lassen sich leicht erkennen. Der Verdacht der Beamten geht in Richtung Jugendgruppen, die sich immer wieder hier aufhalten. „Im vergangenen Jahr hat die Polizei wiederholt jugendliche Gruppen im Alter von etwa 14 bis 18 Jahren festgestellt, die sich dort getroffen haben“, so Krojer. Den Forderungen der Kindergartenleitung, des Hausmeisters und auch der Eltern nach Überwachungskameras schließt sich Krojer deshalb gerne an.

Bis in dieser Sache ein Fahndungserfolg zu verzeichnen ist oder es Kameras gibt, welche die Geschehnisse aufzeichnen, müssen sowohl die Kinder, wie auch die Erwachsenen immer den nächsten Tag fürchten. Hausmeister Nitzbon trägt seinen Teil dazu bei. „Ich bin früh um 6 Uhr hier. Mache meinen Kontrollgang und das, was mir auffällt, Vandalismus, Vermüllung oder et cetera, räume ich halt sofort weg, dass wenn die ersten Kinder kommen, alles soweit in Ordnung ist“, erklärt der engagierte Mitarbeiter. Jedoch reicht das nicht immer aus. Denn auch der qualifizierte Hausmeister kann nicht alle Schäden gleich beheben und die größeren betreffen auch meist die Kinder. „Das Schlimmste, was sie erlebt haben, war die Zerstörung ihrer Trampoline. Das war für sie ein sehr trauriges Ereignis“, erklärt Warstat sichtlich erzürnt.

Verstehen kann die Leiterin des Kindergartens die ganze Zerstörungswut, die Sachbeschädigungen und die Randale nicht. „Es macht mich traurig und kolossal wütend. In der letzten Zeit hatte ich das jeden Morgen. Ich parke außerhalb des Parks. Wenn ich dahinterlaufe, frage ich mich schon, was mich heute erwartet, was gestern Abend wieder passiert ist“, so Warstat weiter. Ebenso entsetzt zeigt sie sich über das negative Vorbild den Kindern gegenüber: „Wir leben ihnen vor, dass man mit den Dingen achtsam umgeht, weil es eben viel Arbeit macht und wenn sie dann morgens in den Kindergarten kommen und das so sehen, dann machen sie lange Gesichter, weil sie sich das nicht vorstellen können“.


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