Es war ein eigentlich ganz normaler Abend für Harald Wiemann: Am Donnerstag (03.01.19) war der Mann mit einem Kollegen nahe der B470 zwischen Reuth und Weilersbach (Lkr. Forchheim) Holz machen. Doch plötzlich unterbrach ein dumpfer Schlag die Arbeit der beiden Männer. "Mein Kollege hat dann geschaut und gesehen, dass da ein Unfall passiert ist. Wir haben sofort alles stehen und liegen gelassen und sind hin gerannt, um zu helfen", sagt Wiemann.
Das, was die beiden Männer gehört haben, war ein folgenschwerer Frontalcrash, der sich auf der B470 ereignet hatte. Aus noch ungeklärter Ursache kam ein 89-jähriger Senior aus dem Landkreis Bamberg, der auf der Bundesstraße in Richtung Forchheim unterwegs war, mit seinem Wagen zunächst ins Bankett, ehe er sein Lenkrad verriss und frontal in den entgegenkommenden Renault einer 22-Jährigen krachte.
Die junge Autofahrerin, ihre Mutter, die sich auf dem Beifahrersitz befand, und zwei von drei Kindern, die ebenfalls im Auto saßen, mussten nach dem Crash von der Feuerwehr mit schwerem Gerät befreit werden. Bis die Einsatzkräfte eintrafen, tat Wiemann sein Möglichstes, um den Verletzen zu helfen. "Ich habe die Hand des einen Kindes gehalten, es beruhigt und gesagt, Hilfe ist schon auf dem Weg", erinnert sich der Ersthelfer.
Nach der Erstversorgung durch Notärzte und Sanitäter musste die 22-jährige Autofahrerin mit lebensbedrohlichen Verletzungen in ein Krankenhaus geflogen wurde, ihre schwerst verletzte Mutter und die drei mittelschwer verletzten Kinder, im Alter von 5, 12 und 17 Jahren, wurden mit Rettungswagen in ein Klinikum gebracht. Der 89-Jährige Unfallverursacher erlag kurz nach dem Zusammenstoß seinen Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus.
Der beherzte Ersthelfer Wiemann hat am Donnerstagabend alles richtig gemacht, doch leider reagierten nicht alle so vorbildlich. "Wir mussten die anderen Leute erst blöd anreden, damit die geholfen haben. Dann war da ein Auto, das einfach gewendet hat und - ohne zu helfen - wieder weggefahren ist. Das gehört sich nicht, für so etwas brauchen wir drastische Strafen, solche Leute gehören weggesperrt", fordert der Mann nach dem Unfall. Wiemann wünscht sich am Ende des Abends einfach nur etwas mehr Zivilcourage von uns allen. "Das Einzige, was Ersthelfer falsch machen können, ist wegzuschauen und nicht zu helfen", sagt er.
Die Rettungskräfte selbst sprechen nach ihrem Eintreffen von einem guten Einsatz, bei dem schnell und routiniert alles dafür getan wurde, um die Menschenleben zu retten. Dabei war die Unfallörtlichkeit keine Unbekannte. Genau an derselben Stelle war im Spätherbst ein 17-jähriger Motorradfahrer ebenfalls mit dem Gegenverkehr kollidiert. Seine Maschine ging in Flammen auf, der junge Mann starb. Ein Kreuz, welches an seinen tragischen Tod erinnert soll, steht nun am Wegesrand - keine fünf Meter von den heutigen Unfallwracks entfernt.